Berlin! Wir fahren nach Berlin!

Völkerverständigung ist ja so eine Sache für sich. Insbesondere in multinationalen Konglomeraten wie Europa. Da gibts die Froschschenkelfresser, die Spaghettifresser, die Krautfresser, die Schluchtenscheißer und natürlich die Krautfresser. Wenn nicht gerade Fußball-Europameisterschaften stattfinden mag man sich sogar ganz gut leiden.

Ja, ich gebe es ja zu, soweit es Fußball betrifft mag ich euch, die ihr zu großer Wahrscheinlichkeit als Besucher dieser Seite, reinrassige, blonde, hühnenhafte stramme Deutsche seid, gar nicht leiden, aber die mir persönlich bekannten europäischen Mitbürger (die während der EM wohlgemerkt zu Hause blieben) vom großen hegemonialen Bruder aus Deutschland sind da anders. Die sind nicht laut. Die trinken keine Sangria aus Eimern. Die ziehen keine Birkenstock-Sandalen mit weißen Tennissocken an. Die essen auch gar kein Sauerkraut. Auch sonst sind die nicht komisch. Oder seltsam. Oder sonst etwas was man vom touristischen Deutschen als Italiener und Wiener Exilant gewohnt ist. Manche von ihnen haben sogar einen inspirierenden und mehr als redlichen Musikgeschmack.

Jedenfalls nötigte man mich, jedes Gegenargument und jede Art von Bedenken ausschlagend meine dunkle, heimatliche Festung in der österreichischen Hauptstadt zu verlassen und stattdessen nichtsahnend die deutsche Hauptstadt aufzusuchen. Als Rache für Wien quasi. Oder so. Nun bin ich also hier, in Berlin. Umgeben von Teutonen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund die es noch werden wollen. Stadtbesichtigung (zwischen Oranienburger Straße, Alexanderplatz und Umgebung bis hin zum Brandenburger Tor fühle ich mich quasi heimisch nun) habe ich schon hinter mir, ebenso die Flucht aus dem Osten nach West-Berlin an einem dunklen kurzzeitig unbewachten Grenzstreifen, den antifaschistischen Schutzwall und Selbstschussanlagen hinter mich lassend. Aber keine Sorge, mir geht es soweit gut, danke der Nachfrage.

Nur dachte ich eigentlich in dem Moment ich wäre dem Polizeistaat entkommen, aber nichts da. Falsch gedacht. Vom Regen in die Traufe sozusagen. Ich bin ja ebenso Hauptstädter: Parlament, (US-) Botschaftsgebäude und Polizeikolonnen kennt man auch in Österreich, aber ich frage mich schon, ob sich Osama Bin Laden persönlich am Berliner Reichstag versteckt, so massiv, wie die Polizei in den gesamten innerstädtischen Bezirken zeigt. Das überall so komische Absperrgitter herumstehen und an S-Bahn-Stationen Hundertschaften der Polizei die aussteigenden Fahrgäste erwarten, fand ich allerdings schon befremdlich. Komisch ist euer Schäuble da. Aber wahrlich, ich versichere euch, ich fühle mich gleich viel sicherer und beschützt! Versprochen.

Falls ich mich nicht mehr melden sollte, wurde ich bestimmt vom Verfassungsschutz verhaftet und/oder niedergeknüppelt mit anschließender Verschleppung nach Buchenwa^c^c^cGuantanamo. Oder so.

Vielleicht bleibe ich aber auch noch ein bisschen. Ick hab immahin schon voll berlinern jelernd hier, wa?

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6 Antworten auf »Berlin! Wir fahren nach Berlin!«

  1. Jeile Sach wa. Naja das Polizeiaufgebot in der Nähe der Bahnhöfe ist in der Regel nicht genrell existend, nur bei besonderen Veranstaltungen. Um die Botschaften herum ist man wohl in Massen von Ihnen umgeben. Solange man diesen nicht zu nah auf die Pelle rückt wird man aber nicht beachtet.

    Du solltest mal im SO36 vorbei schauen. Die spielen da ganz gute Musik.

    raz0rblade - 20. Juli 2008 um 23:02

  2. Das mit den Birkenstocksandalen und den Tennissocken hab ich nich verstanden.

    mike - 21. Juli 2008 um 00:51

  3. http://www.wdr.de/radio/wdr2/westzeit/372379.phtml

    Arno - 21. Juli 2008 um 08:08

  4. “Nur dachte ich eigentlich in dem Moment ich wäre dem Polizeistaat entkommen, aber nichts da. Falsch gedacht.”

    Es gibt da einen Rollstuhlfahrer, vor dem Du Dich in acht nehmen solltest.

    de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Schäuble

    teutone - 21. Juli 2008 um 08:44

  5. Bekannte Forensignatur:

    o
    L_
    OL

    This is Schäuble. Copy Schäuble into your signature to help him on his way to Überwachungsstaat.

    Chris - 22. Juli 2008 um 12:40

  6. Tjaja, der Schäuble …

    es ist schon hart für ein “demokratisches” Land, wenn ein paranoider Mann, der seine Paranoia durch das Attentat auf ihn begründet sieht, die Macht über die Polizei hat …

    Was ich aber viel beänstigender finde ist, dass sich dieser … Mann … über Parlamentsbeschlüsse hinweg setzt!

    Ich meine, hat der nicht einmal einen Eid geschworen?

    bis gleich in Guantanamo …

    Veiovis - 6. August 2008 um 12:35

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