Konzert: Cult of Luna in der Arena Wien
Es ist gerade eine gute Zeit, die man als Hörer züchtiger Musik erlebt. Der Grund ist einfach wie nahe liegend, alles mit Rang und Namen tourt gegenwärtig durch Europa, im April ISIS und vorgestern der nächste große Namen im Geschäft: Cult of Luna.
Zugegeben, als ich vor Monaten bereits die Entscheidung traf, zu jenem Konzert zu gehen, hatte ich mich im Vorfeld schon intensiv mit dem EM-Spielplan auseinandergesetzt und festgestellt, dass Italien da sicher nicht spielen wird und so fiel die Entscheidung nicht weiter schwer. So lies ich sie, als begnadete Kennerin des guten Geschmacks einfliegen und wir machten uns in die Arena, wo man uns schon auf der Straße Karten andrehen wollte. Hatte ich schon, aber ich fand es da schon seltsam, dass Cult of Luna so ein Straßenfeger sein könnte, um so mehr, als ich den gefüllten Innenhof der Arena sah.
Doch spätestens als ich mich in die Schlange zum Eingang einreihte, erschien mir das anwesende Mitvolk ein wenig falsch gekleidet für einen Sludge-Metal-Abend - oder waren wir es etwa? Ok, wir kamen dann auch relativ schnell dahinter, dass man wohl zwei Konzerte zeitgleich gab und das ganze Volk nicht etwa für Cult of Luna gekommen war. Stereophonics hießen die und sagen mir rein gar nichts. Ist das jetzt eine Auszeichnung für meinen exquisiten, gehobenen Musikgeschmack? Ich finde ja.
Tatsache war, Cult of Luna wurde in einen Keller im ehemaligen Schlachthof innerhalb des Arenakomplexes gepackt, während diese Proleten von Stereophonics die große, hübsche Halle selbst füllten. Meine Tickets hatten die Nummern 145 und 146 was mir angesichts des Schuppens in dem ich gezwängt wurde reichlich übertrieben erschien, tatsächlich mögen das kaum mehr als eben jene 150 Leute gewesen sein. Was aber nichts heißen muss, denn ebenso wie wir flüchtete auch der Rest der Zuschauer immer wieder gerne ins Freie (ist ja nicht so, dass der Weg nach draußen von mehr als einem Scheunentor versperrt gewesen wäre), denn das schwüle Wetter drückte schwer und die Hitzeentwicklung nahm schnell dramatische Züge an.
Vor den Headlinern gabs eine mehr oder weniger fragwürdige Darbietung von hoch engagiert rumstehenden Kollegen namens snr0. Irgendwo zwischen Noise und Hardcore angesiedelt erzielte man wenig hörbare Resultate. Die Hitze war wie gesagt groß und so nahmen wir die Chance wahr und flüchteten panikartig ins Freie und erzielten erstaunlich gute Trefferquoten beim Ratespiel “Rat mal auf welches Konzert der|die da geht”.
Die nächste Armee (6 Leute und Anhang) betrat kurz darauf die kleine Bühne, was mitunter zu Platzmangel führte. Der eine oder andere mag die Kollegen aus Berlin kennen, die sich The Ocean [Collective] nennen. Mir waren diese nicht unbekannt und deren Album Aeolian habe ich ebenso bereits zwei oder dreimal gehört, insofern wusste ich bereits was mich erwartet. Musikalisch schifft der Ozeanriese irgendwo in den Untiefen zwischen Sludge und Progressive-Metal ohne ein Hindernis auszulassen und das nicht selten im selben Song. Komplexe Drumsets aus dem Post-Metal, kombiniert mit den verzerrten Bässen des Sludge und Noise/Hardcore-Intermezzos bilden ein bizarres Gesamtbild, das nicht selten in einem einzigen Song abgehakt wird. Das macht die Kollegen etwas anstrengend auf Dauer, obgleich ich die Ansätze gar nicht schlecht finde. Das Konzert lief relativ glatt über die Bühne, auch wenn man sich auf der Bühne durchaus mehr für das parallel laufende Fußball-EM Halbfinale “Deutschland - Türkei” interessierte, als fürs Publikum. Ok, wir befanden uns in einem umgebauten Keller (oder so) entsprechend sind die Ansprüche an den Ton auch aus reinen Platzgründen geringer, aber hier wurde erstmals deutlich, das die Tonmischung etwas übersteuert abgestimmt war und überhaupt viel zu laut für so einen kleinen Raum. Bei gefühlten 50 Grad war man aber zum zuhören verdammt, weil über den Himmel von Wien die Apokalypse hereinbrach und den verruchten Sündenpfuhl rund um die Arena unter Wasser zu setzen schien. Sodom und Gomorrha erwartend, las ich hinterher, dass der Weltuntergang parallel auch live in alle Welt verbreitet wurde. Zu den gespielten Songs kann ich ansonsten nicht viel beitragen, wer Sludge mag, möge mal reinhören, unverzichtbar im Genre ist man aber nicht. Die Lichtshow hingegen fand ich hübsch, mitunter auch deswegen weil diese nicht wie herkömmlich von der Bühnendecke kam, sondern von kräftigen LED-Strahlern aus dem Hintergrund der Bühne, in kalten Blautönen gehalten und lange Schatten werfend.
Dem Tod über den Köpfen erwartend und die Hitze aus den Abgründen der Hölle spürend erwarteten wir alsbald aber auch schon Cult of Luna. Zugegeben ein etwas seltsamer Name für eine Band, aber kein Grund an den Qualitäten der Schweden zu zweifeln. Diese touren durch Europas Großstädte um ihr neues Album “Eternal Kingdom” vorzustellen und zeigen sich auf dem Album, soweit dieses live angespielt wurde wieder deutlich härter und düsterer als auf dem Vorgänger. Eine Entwicklung die ich sehr begrüße. Schwere, depressive Töne kombiniert mit einer kraftvollen Gewalttätigkeit, sowohl textlich als auch musikalisch und starke Tempowechsel (die im Gegensatz zu den Kollegen vorher auch an der Stelle passten) zeichneten Cult of Luna seit jeher aus und so freute ich mich auch die Schweden live zu sehen. Die Setlist legte einen Schwerpunkt auf das neue Album, das ich noch nicht kenne und ist mir daher nicht sehr bekannt, dennoch kamen auch die Vorgängeralben nicht zu kurz, über “Finland” vom Vorgängeralbum freute ich mich etwa besonders.
Etwas schade fand ich, dass sich die Schweden auf der Bühne stellenweise etwas unterkühlt gaben (Isis gelang das besser), aber ich mags gern auf die unerträgliche Hitze schieben. Die Tonprobleme hielten an, die Lichtshow hingegen enttäuschte einigermaßen. Eineinhalb Stunden gab man sich aber keine Blöße und überzeugte dennoch weitgehend mit einer gut durchdachten Setlist, sodass ich am Ende doch noch mit dem Abend mehr als versöhnt wurde. Anmerkend mag ich aber zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich Cult of Luna sehr mag und daher möglicherweise nicht ganz objektiv darüber urteilen kann.
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