Geldvernichtungsmaschine Wikipedia

Wikipedia braucht Geld. Mal wieder. Über eineinhalb Millionen Dollar sollten es diesmal schon sein, schließlich sind die Ausgaben immens. Zugegeben, die Gemeinnützigkeit der Wikipedia streite ich nicht ab, genausowenig die Notwendigkeit von Spenden für Wikipedia. Fragwürdig ist allerdings die Zweckmäßigkeit der Verwendung eines beträchtlichen Teiles des Geldes.

Traffickosten und andere Ausgaben …

Die diversen Wikimedia Ableger, die gemeinnützigen Trägergesellschaften von Wikipedia, finanzieren Wikipedia mit all seinen Projekten. Dabei stehen in den Büchern von Wikimedia selbstverständlich und unbestritten ein enormer Trafficverbrauch. Traffic, der von einem komplexen, vermaschten Netz von verteilten Rechenzentren in Europa, Asien und den USA erzeugt wird, die “wikipedia.org” hosten. Gegenwärtig sind das an die 150 Server.

Grundsätzlich besteht die Wikipedia-Architektur dabei aus mySQL-Datenbankservern (Master/Slave Setups), mit Apache Webservern und transparenten Squid-Proxys. Die Hardware für diese Dienste, wird zum Großteil von der Wikimedia Florida finanziert. Ein nennenswerter Brocken wird aber von Yahoo! gesponsort (23 Server, einschließlich Hardware, Webtraffic und Rechenzentrum - Standort Südkorea). Dabei decken die Yahoo!-Server den gesamten asiatischen Bedarf ab.
Bleibt also die Finanzierung der verbleibenden Server offen. Für die, laut Wikimedia FAQ hauptsächlich gespendet werden soll. Liest man hingegen den Tätigkeitsbericht (der hier nur Wikimedia USA betrifft) beliefen sich die hauptsächlich monierten Traffickosten für 2006 nur auf knapp 190.000$. Wikimedia Deutschland zahlte 2005 gar nur auf 342€ (wobei diese Ausgaben 2006 und 2007 deutlich ansteigen werden, näheres dazu später).

Das klingt nun zunächst einmal nach viel Geld. Ist es aber nicht - wenn man die Einnahmen dazu gegenüberstellt, immerhin 1,5 Millionen Dollar für Wikimedia USA und 120.000 Euro für Wikimedia Deutschland - alles Spendengelder. Nun mag man mir gegenüber gerne ausführen, dass Teile dieses Geldes auch für andere Dinge ausgegeben werden müssen, wie Hardwarebeschaffungen, Reisekosten und Löhne. Reisekosten? Upps, da war doch noch was. Achja, die Reisekosten. Die sind nämlich beträchtlich, immerhin scheint es bei Wikimedia unverzichtbar, an noch so unbedeutenden und kleinen Events teilzunehmen und sich auf so gut wie jeder Messe zu präsentieren. So betrieb Wikimedia Deutschland 2005 exzessiv Lobbying auf folgenden Veranstaltungen:

  1. 17. Februar Medienethiktagung (München)
  2. 26. bis 27. Februar FOSDEM (Brüssel)
  3. 10. bis 12. März CeBIT 2005 (Hannover)
  4. 11. bis 14. März IT-Linux-Days (Lörrach)
  5. 17. bis 20. März Leipziger Buchmesse
  6. 12. Mai auf der Messe Linux (Berlin)
  7. 3. Juni auf dem Wikipedia-Tag (Dresden)
  8. 10. bis 12. Juni Projekt P – Berlin05 (Berlin)
  9. 4. bis 7. August 2005 „Wikimania“ (Frankfurt)
  10. 22. bis 25. Juni LinuxTag (Karlsruhe)
  11. 30. September bis 3. Oktober Jugendmedientage (Hamburg)
  12. 21. und 22. Oktober. Berlinux, (Berlin)
  13. 24. bis 28. Oktober. Systems 2005 IT Media (München)
  14. 25. Oktober „e-Science Forum Wissenvernetzung“ (Berlin)
  15. 16. bis 18. November World Summit on the Information Society (Tunis)
  16. 27. bis 30. Dezember 22C3 (Berlin)

Ob das alles nötig war? Ich meine fast nein, immerhin ist Wikipedia nun echt im letzten Winkel angekommen und (weitgehend) etabliert. Lächerliche 7929 Euro hat das die bereitwilligen Spender im Übrigen gekostet, das Vielfache der für Traffic aufgewendeten Kosten. Die US-Gesellschaft wendete übrigens 76.000 Dollar dafür auf.

Ich will mich an der Stelle verstanden wissen und überlegen, wofür die vielen Spendengelder ausgegeben werden und da würde ich anregen mich zumindest auf den Kernbetrieb zu konzentrieren. Denn für Hardware- und Traffickosten wird nur ein Bruchteil der Spenden ausgegeben, ganz anders als gemeinhin dargestellt. Solange nämlich Geld da ist, Google Aktien zu kaufen, brauch Wikimedia kein Geld.

Geldprobleme

Die offengelegten Finanzen, insbesondere von Wikimedia Deutschland (Tätigkeitsbericht 2005) sprechen eine recht deutliche Sprache, zum Thema. Von den 120.000 erspendeten Euros wurden lächerliche 14.000 ausgegeben. Von Geldproblemen kann also keine Rede sein, wie Giesbert Damaschke bereits vor Monaten festgestellt hat, denn als gemeinnütziger Verein, darf Wikimedia Deutschland ihr Geld nur für die gemeinnützigen Zwecke des Vereins ausgeben und nicht etwa an Wikimedia USA übergeben, die letztlich den größten Teil der Kosten tragen. Wikimedia reagierte erst vor kurzem und begann eigene Server zu stellen, die mittlerweile in Amsterdam als Squid-Proxy-Server ihren Dienst tun. Deswegen werden die Trafficausgaben für das auslaufende und nachfolgende Jahr wesentlich höher sein.

Kaufwahn

Wikipedia hat ein gewaltiges Wachstum, auch den Besucheransturm betreffend. Deshalb will man natürlich für den ankommenden Besucheransturm gerüstet sein und kauft regelmäßig Hardware (auch wenn die mittlerweile zu einem beträchtlichen Teil von Spendern gesponsort wird). Doch der Hauptgrund für die derartig großen Hardwareinvestitionen ist viel simpler. Als gemeinnütziger Verein, muss Wikimedia daran gelegen sein, nicht zuviel Geld auf dem Bankkonto zu haben. Als derartiger Verein, muss man, um seine Gemeinnützigkeit für den Fiskus nachzuweisen, die Gelder nämlich ausgeben, nicht horten. So ist es kein großes Hindernis diese Gelder schlicht in Server zu investieren. Tatsächlich ist es so, dass bei Wikimedia Geld für Server zuerst ausgegeben wird und erst später nachgedacht wird, ob das überhaupt nötig ist. All zu große Not scheint da tatsächlich nicht zu bestehen, denn so mancher Server steht schlicht unbenutzt herum, gegenwärtig sind nicht weniger als 13 Server unbenutzt und 19 weitere kaputt. Das Fehlen dieser scheint jedenfalls keinen zu berühren (eine Auflistung der aktuellen Server gibt es hier), dennoch veranschlagt die aktuelle Spendenaktion mehre Hundertausend(!) Dollar zur Hardwarebeschaffung.

Eigentlich ist es doch ganz einfach, solange Wikimedia Geld zum Verschleudern hat, solange muss man sich nicht um die Finanzierung der Kerntätigkeit sorgen. Das täte vielleicht aber not, angesichts der gewaltig ansteigenden Ausgaben von Wikimedia über die letzten Jahre.

Freies Wissen für die Welt

Woran es Wikipedia nach wie vor fehlt, sind nicht Server, nicht Lobbyisten, sondern urheberrechtlich geschützte Inhalte. Vielen Artikeln, insbesondere abseits der großzügigen “Fair Use”-Rechte der US-Wikipedia. So bleiben viele Artikel in der deutschen Wikipedia nackt, weil es aufgrund der Thematik schlicht keine Medienquellen gibt, auf die man zurückgreifen könnte. Wieso verwendet die Wikimedia Foundation ihr vieles Geld nicht in den Freikauf von diesem geschützten Wissen? Stehen dem womöglich die eigenen kommerziellen Interessen von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales entgegen (Wikia und Bomis), der sich sehr uneigennützig am freien GFDL-Wissen der Wikipedia bedient?

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6 Antworten auf »Geldvernichtungsmaschine Wikipedia«

  1. An WP ist noch mehr faul als nur das. Man höre/lese
    Jason Scott - The Great Failure of Wikipedia
    > http://www.archive.org/details/20060408-jscott-wikipedia
    (als ogg ca. 20 MB. Dauer: ca. 43 Minuten)
    Transcript unter:
    > http://www.cow.net/transcript.txt

    cassiel - 17. Januar 2007 um 11:21

  2. Wenn jemand meint irgendwelche Vorwürfe per Blog veröffentlichen zu müssen, der soll das gerne tun. Dann sollte er aber bitte auch richtig recherchieren. Besonders wenn es um Vorwürfe über die Zweckmäßigkeit der Verwendung von Spendengeldern geht.

    Um nur den krassesten Fehler in diesem Beitrag zu nennen:
    Du behauptest, dass von der Foundation Google-Aktien gekauft wurden. Das ist eine Lüge. Richtig ist: Die WMF hat von einem Spender 187 Google-Aktien als Spende erhalten. Diese sind im Finanzbericht aufgelistet.

    Tim 'avatar' Bartel - 24. September 2007 um 08:47

  3. wikipedia ist ohne Frage eine gute Erfindung

    ich hoffe auf lange Lebensdauer und das sie nicht durch Geldmachenschaften ins Gerede kommt und
    vielleicht den Betrieb einstellen muß

    Theo - 25. September 2007 um 07:57

  4. Dann spend hald nix du Nap

    Chri - 5. Dezember 2007 um 22:02

  5. In den Anfangsjahren habe ich den einen oder anderen Artikel bei Wikipedia eingestellt. Auch wenn nicht alles so übernommen wurde, konnte man doch stolz sein, für den einen oder anderen Beitrag dazugesteuert zu haben.

    Mittlerweile ist es jedoch so, dass sich eine sogenannte Wikipedia-Elite gebildet hat, man kann auch sagen, Wikipedia-Seilschaften. Irgendwelche Admins bestimmen, natürlich einvernehmlich, über gute oder schlechte Artikel. An sich keine schlechte Sache. Schlimm ist es, dass die Admins sehr viele Artikel zurechtstutzen, wovon sie selbst keine Ahnung haben. In letzter Zeit passiert es immer öfter, dass Änderungen überhaupt nicht mehr angenommen werden. Ohne den neuen Beitrag anzusehen, werden die Artikel gelöscht. So ist es nicht verwunderlich, dass die Artikel zum Teil sehr alt, überholt und überhaupt nicht komplett sind. Von daher habe ich mich von diesem Verein verabschiedet.

    Ehemaliger Autor - 12. Januar 2008 um 13:46

  6. Quit stinkt

    chusli - 9. November 2008 um 21:27

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