Zurück aus Liberty City
Kein Spiel (oder Film, Musik CD) war jemals erfolgreicher gestartet wie Grand Theft Auto IV (GTA IV) und bringt eine derart gewaltige Medienpräsenz mit sich. Selbst Medien wie Spiegel loben das Spiel, nachdem man dort sonst eher Technikdeterminismen wie “Killerspiele machen Killer” verbreitet. Da ist es natürlich absolut keine Frage mehr, dass auch äußerst gute und züchtige mediale Präsentationen wie sie meine Seite sind, ein paar Worte zum Spiel verlieren müssen.
Mord, Prostitution, Erpressung - und stolz drauf
In der Tat ist die Überraschung unter Kennern nicht besonders groß, wenn ich mich als leidenschaftlicher GTA-Spieler präsentiere. Ich spielte jeden bis dato auf PC erschienen Teil durch und seit GTA III ist eben diese Spielserie der einzige Grund, weshalb ich noch immer eine kleine Windows Partition auf meinem Desktoprechner habe. Für GTA IV entschied ich mich allerdings auf die Konsole umzusteigen, zumal das Ding für PC noch gar nicht erschienen ist. Ich gehöre also zu den 1,8 Millionen die allein in Europa den 4. Teil der Serie (der eigentlich der sechste ist) für Playstation 3 gekauft haben. Damit besitzt jeder dritte PS3-Besitzer dieses Spiel (Quellen). Das muss man sich mal vor Augen halten.
Tatsächlich kann GTA IV die Erwartungen großteils erfüllen. Die Grafik wurde besser und es macht einfach Freude bei strahlendem Sonnenschein durch Algonquin zu fahren. Die ganze Stadt wirkt lebendiger und agiler, es tummeln sich geschäftig wirkende Passanten, Straßenmusiker und Künstler durch die Stadtviertel von Liberty City (New York City nachempfunden) und Alderney (New Jersey). Autos, Radiosender und Aussehen der Passanten wechseln mit den Stadtvierteln in denen sich der Protagonist Niko Bellic aufhält und überall gibt es kleine Interaktionen und Details zu entdecken. Seit jeher ist es der subtile ironische Humor von Rockstar, den ich an GTA mag. So trägt die “Statue of Happiness”, das Pendant zur Freiheitsstatue anstatt einer Fackel einen Wegwerfbecher, wie man sie in Fast Food Restaurants erhält, das Internet Cafe in Broker ist in der “Cisco Street”, die Biermarke, die man in Liberty City trinkt heißt “Pißwasser” und Werbebanner am Star Junction (dem Times Square, Liberty Citys) fordern “Pirate Music/Games/Films” Die Story ist wesentlich besser als etwa die konstruiert und aufgezwungen dramatisch wirkende des Vorgängers “GTA: San Andreas” und schließt eher an die glaubwürdigere Handlung von “GTA: Vice City” an.
Und so spielt man sich eben durch, von den Anfängen im schäbigen Immigrantenviertel Hove Beach bis zum Luxus Appartment in Middle Park East und arbeitet sich bis zu jenen Leuten vor, die Niko bei der Bewältigung seiner Vergangenheit im Bosnienkrieg helfen können. 45 gespielte Stunden, an denen ich 330 Fahrzeuge stahl und damit 447 Verkehrstote verursachte, 280 USD für Prostituierte und zwei durchzechte Tage in der Bar verbrachte und zwischendurch 727 Morde beging war ich mit der Story vor kurzem durch, etwa ein Monat nach Erscheinen des Spiels. Nein, Skrupel habe ich keine diese Details hier hervorzuheben, GTA ist ein gewalttätiges Spiel und das finde ich gut so. Jeder der ein Problem damit hat, möge sich heuchlerische Argumentationen dazu sparen, denn ich bin durchaus in der Lage ein Spiel von der Realität zu unterscheiden. Erwähnte ich übrigens schon, dass ich meinen Cousin Roman im Spiel für eine Viertel Million Dollar opferte?
Bei all der Freude, die mir GTA machte, bin ich aber doch nicht restlos glücklich damit. GTA IV offenbart langjährigen GTA-Spielern wie mir auch schwächere Seiten. Da gibt es zum Beispiel den wenig gelungenen Soundtrack (also die musikalische Untermalung im Autoradio). Das mag nun vielleicht einiges mit meinem Musikgeschmack zu tun haben, aber eigentlich mochte ich sogar “Flash FM” in Vice City weil dieser damals einfach perfekt zum Flair des Spieles passten. In Liberty City vermisse ich das, stattdessen gibt es lieblos zusammengewürfelte Radiosender mit Musik die mir gar nicht liegt (nicht weniger als zwei Hip Hop Sender, House, Funk, mehrere Jazz Sender und so weiter). So bleibt am Ende nur ein mäßiger Classic Rock Sender und LCHC - Liberty City Hard Core - der natürlich die Hütte felst. Auch muss ich zugeben, dass ich über Vladivostok FM auf das faschistoide “Glukoza Nostra - Schweine” stieß, das ich irgendwie mag. Aber wirklich glücklich wurde ich zu keinem Zeitpunkt mit der Musik.
Weiter fehlen mir ein wenig die weiten unbebauten Landschaften vom Vorgänger. Leider gibt es im aktuell erschienen Teil nur die Großstadt, keine ländlichen Regionen mehr. Dabei mochte ich es sehr auf eine “Hellfire” zu steigen und damit stundenlang über verlassene Straßen quer durch die gesamte Region von San Andreas zu fahren. Oder mit den Kleinflugzeugen im Tiefflug durch die Canyons der Tierra Robada zu fliegen. Sehr viel von GTA machte schon immer die (scheinbar) grenzenlose Freiheit aus, die dem Spieler unzählige Möglichkeiten bietet. Einiges davon ging auf dem Weg von San Andreas nach Liberty City verloren.
Für viele langjährige Spieler ist nach wie vor “GTA: Vice City” der beste Teil der Serie, dem mag ich mich zwar nicht bedingungslos anschließen, aber auch für den jüngsten Teil der Serie gilt, was auch schon für den Vorgänger galt: An das einmalige Flair und das Spielerlebnis wie auch die Vielfältigkeit und Kreativität der einzelnen Missionen die Tommy Vercetti in Vice City erlebte (Für Kenner: die Missionen mit Love Fist zum Beispiel!), kommt nach wie vor kein Nachfolger heran. Ich denke ich lehne mich nicht all zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Niko Bellics Aufträge in Liberty City um einiges eintöniger wurden, als bisherige. Am Ende enden so gut wie alle Missionen mit Straßenkämpfen und/oder Verfolgungsjagden im Auto und auch sonst erscheinen all zu viele Aufträge bekannt, wirklich neues gibt es nicht. Schade.
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Das hat mir bei San Andreas ebenfalls mit am besten gefallen, Danzigs - Mother auf den Ohren und über die unzähligen Strassen gedüst… Hach war das herlich ;)
Thorsten - 19. Juli 2008 um 22:59