Konzert: ISIS in der Arena Wien

Isis ist die ägyptische Göttin der Sonne und ausgerechnet die streikte am Montag, als das Konzert jener Kapelle angesetzt war, die sich ausgerechnet nach dieser Göttin benannt hat. So war der Weg zur Arena von kaltem Regenwetter begleitet.

… und es ward Licht

Die Arena ist in Wien eine Institution; ein ehemals besetzter Schlachthof mit zugehörigem industriell geprägtem Flair und hübschen alternativen Wandmodifikationen. Der Name kommt daher, dass die Besucherfläche in der großen Halle nach hinten eben wie in einer Arena ansteigt. Ein für mein ästhetisches Empfinden äußerst angenehmes und wohliges Ambiente.

Der Abend begann mit äußerst wortkargen Neuseeländern, die sich Jakob nennen (MySpace). Das musikalische Talent mag ich den drei Kollegen durchaus nicht absprechen. Zu hören bekam ich die volle, karge und kühle Weite neuseeländischer Hochlandschaften. Kräftige und gleichwohl weit abschweifende epische Instrumentalriffs wechseln sich mit langsamen Traumpassagen ab. Musikalisch sind Jakob zwischen Post-Rock und Post-Metal anzusiedeln und erinnern mich an Bands wie Godspeed You! Black Emperor und Pelican. Da mir das musikalisch daher durchaus liegt, fand ich das was ich hörte wahrlich nicht schlecht, wenn auch nicht überragend, aber dennoch fehlte hier und da die letzte Konsequenz. Man hätte die drei Söhne Jakobs damit abtun können, wenn ich sie nicht live gesehen hätte. Das Problem der Kollegen war nämlich, dass Live-Auftritte offensichtlich deren Ding nicht waren.

Lust- und Motivationslos dudelten die Herren ihre Stücke auf der Bühne ohne einen Zentimeter von der Stelle zu rücken. “Wie in einer Probesession” sagte man neben mir und das trifft die Sache ganz gut. Wäre jenseits der Bühne nicht die volle Arena gewesen, man hätte annehmen können, die Neuseeländer wären in ihrem Proberaum. Wie im “Post-*” Genre üblich dauerte kein Song unter 5 Minuten und so war nach 4, 5 Stücken die Sache auch wieder zu Ende und die Mannen verschwanden genauso stumm und lustlos wie sie die Bühne betraten.

Das krasse Gegenteil betrat ein wenig später die Bühne, in Form der US-Amerikaner “The Austerity Program” (MySpace). Am ehesten trifft da noch die Beschreibung zwei Irre mit ihren Gitarren und einer Drum Machine. In der Tat zeigte der Frontmann außergewöhnlich viel Einsatz auf der Bühne, ihm war sichtlich anzusehen, mit wie viel Freude und Elan der Mann seine Gitarre zupfte und dabei völlig mit abging. Einen Lacher erntete man aber schon beim Betreten der Bühne, als man sich allen Ernstes mit “Dankä, wir sprecken kein Deutsch. Kein Deutsch here. Dankä” vorstellte. Danke für den Satz auch von mir :o)

Es war eine richtige Offenbarung nach den trägen Neuseeländern den beiden Kollegen da zuzusehen, die eine wilde Mischung aus Hardcore und doomigen Noise spielen. In der Tat handelt es sich bei dieser “Band” auch nur um Gitarrist, Frontsau und Sänger in einer Person vereint und einen Bassisten. Das Schlagzeug kam wie gesagt aus dem Computer und mehr braucht man beim Entbehrungsprogramm nicht. Allein musikalisch fand ich die Kombination mit Noise schon anstrengend, aber den Rest gab mir dann, als man androhte auch noch zu singen. Das klang dann aber wirklich so furchtbar, denn singen konnte Justin Foley - so heißt der wie von der Tarantel gestochene Rumhüpfer auf der Bühne - nämlich nicht. Krächzend, schrill und unfähig einen Ton zu halten sang man innovativste Geistesergüsse wie “When I was young I promised my wife a car and a house” (oder so ähnlich). Vielleicht hätte man auch einfach die Klappe halten sollen.

Aber ich glaube, das weiß man selbst schon, immerhin heißt es auf der offiziellen Homepage pragmatisch

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a) 100% correct
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Fabulous prizes are based on what we determine.

Das brachte mich zum lachen, doch. Zum Glück geht aber selbst die schlechteste Vorband irgendwann vorbei und dann folgte nach kurzer Umbauphase, die der Mensch am Mischpult mit experimentellen musikalischen Kombinationen zu verkürzen versuchte. So folgte auf den genialen Badalamenti “Twin Peaks” Score und Massive Attack fragwürdige Einwürfe aus der Hip-Hop Ecke.

Am Ende erlebte mein Hörorgan aber doch noch den Höhepunkt des Abends. Die bereits volle Arena wurde noch voller und eine Ansammlung von 5 Leuten drängte sich auf der kleinen Arena-Bühne. Und während ich noch am diskutieren war, ob der Bassist einen Fender Bass benutzt oder nicht, legte man auch schon kraftvoll los. Düster, kraftvoll aber nicht minder schlecht präsentierten sich die Amerikaner. Der dezente Unterschied in Sachen Performance und Professionalität zu den Vorgruppen war schnell eklatant ersichtlich.

So gestaltete sich der Auftritt auch sehr kurzweilig und abwechslungsreich. So wie die Alben von ISIS präsentierte sich auch die Setlist sehr unterschiedlich und deckte das breite Spektrum durch das komplette Schaffensrepertoire ab. Eröffnet mit erquicklichen Ergüssen von “Absence of Truth” schloss sich der Kreis bis hin zu “Red Sea” mit dem gleichnamigen Titel. Erfreulicherweise setzte ISIS keinen Schwerpunkt auf die neueren Alben (zumal Absence of Truth definitiv zu den schwächeren Alben gehört), sondern spielte wirklich abwechslungsreich alle Alben mit ein, zwei Songs an. Präzise und messerscharf getimte Einsätze der drei Gitarristen kombiniert mit der einmaligen Stimme von Shouter Aaron Turner rückten ISIS auch live an den sauberen Studioklang - wenn überhaupt ist dies der einzige Kritikpunkt an den Abend: die Unterschiede zum Klang auf CD sind minimal.

All zu lange hielt sich aber auch ISIS nicht auf der Bühne, nach knappen eineinhalb Stunden war die Sache auch schon wieder vorüber. Angesichts des (heutzutage) fairen Eintrittspreises von 19 Euro fand ich das aber ok. Der T-Shirt Preis war mit 12 Euro auch erfreulich niedrig (meinen persönlichen Rekord hält immer noch Rammstein mit 25 Euro).

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