Opernball - Alle Jahre (schon) wieder
Es gibt Tage im Kalender, da weiß der erfahrene Bewohner in den Innenbezirken Wiens, da braucht er gar nicht erst das Haus verlassen.
Wenn die Straßen der näheren Umgebung ein skurriles Bild von Frackträgern, edlen Ballkleidern und dazwischen zerrissene Armeejacken voller Friedenstaubenpatches und seltsam dunkel gekleideten Gestalten mit Pali-Tuch bieten, und zwischendurch immer wieder ein großes Aufgebot von Polizisten in voller Kampfausrüstung gelangweilt herumsteht, dann ist so ein Tag. Heute zum Beispiel, denn heute ist Opernball. Opernball bedeutet ein dekadentes, überhebliches Massenschaulaufen nationaler und internationaler Prominenz.
Das Reichenghetto
Nein, man muss den Opernball nicht kennen. Es ist allerdings das Ballereignis des Jahres in Wien und kaum eines steht so in der Kritik ein dekadentes, längst überholtes entartetes Schaulaufen des großkotzigen Geldadels zu sein, wie eben jener Opernball. So polarisiert keine Veranstaltung vergleichbar wie jener unsägliche Ball, der mich am heutigen Tag bereits einigermaßen nervte. Auf der einen Seite eben die reiche Oberschicht, die sich selbst am meisten mit reichlich Champagner feiert und auf der anderen Seite großräumige Absperrungen, ein riesiges Polizeiaufgebot und die (mehr oder weniger obskure und unbegründete) Furcht vor gewalttätigen Demonstranten. Die Schönen und Reichen wollen wohl unter sich bleiben und sperren sich vorsichtshalber ein.
Bruno Kreisky sagte zum Ball einmal wenig begeistert:
“Die Rache der Geschichte an jungen Revolutionären besteht darin, dass sie in späteren Jahren mit Frack und Orden zum Opernball gehen müssen”
Unnötig zu erwähnen, dass für diese gesellschaftliche Zurschaustellung des eigenen Vermögens zur Kompensation anderer nicht vorhandenen Tugenden ein riesiger Aufwand getrieben wird, einschließlich Live-Übertragung im österreichischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Nirgendwo sonst trifft man eine so illustre Auswahl von Spitzenpolitik und österreichischer wie deutscher Prominenz (Richard Lugner wer?). Zwischen 230 und 17.000 Euro bezahlt jeder der Besucher an Eintritt - skeptische Blicke an den Polizeiabsperrungen gibt es frei Haus inklusive. Für die Oper ist das natürlich ein gutes Geschäft - ob der Steuerzahler davon soviel hat, wage ich allerdings zu bezweifeln, angesichts der wohl immensen Kosten und Behinderungen zum Schutz der Veranstaltung.
“Denn nobel geht die Welt zugrund’, ob diese oder jene Stund” wusste bereits Falco, womit er zweifelsohne Recht hat.
Als toleranter und weltoffener Mensch, ist es mir natürlich herzlich egal, was für überhebliches Treiben innerhalb der Oper am heutigen Tage stattfindet. Was mich daran stört, ist einzig dieser unsägliche Aufwand, der wegen diesen 5-10 Kolleginnen und Kollegen, die am Ball teilnehmen getrieben wird. Die Live-Übertragung kann ich ignorieren, den Ball sowieso, was mich richtig stört, ist aber, dass das Gebiet rund um die Oper großflächig abgesperrt wird. Selbstverständlich völlig unnötig und überzogen, wie auch der ORF berichtet.
Wer ortskundig in Wien ist weiß, die Oper liegt direkt zwischen Kärtner Straße und Ringstraße in unmittelbarer Nähe zum Karlsplatz. Damit liegt die Oper an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte für Wien, sowohl für PKWs, als auch für Fußgänger und dem ÖPNV. So sind eben all jene richtig arm dran, die nach der Arbeit oder aus sonstigen Gründen diesen Punkt passieren müssen. Denn aus Furcht vor Ausschreitungen und Demonstrationen hat die Stadt Wien den Bereich um die Oper wie erwähnt völlig abgesperrt. Mehr als 700 Polizisten stehen in voller Kampfausrüstung bereit um bloß niemanden passieren zu lassen. Muss denn das wirklich sein, dass ich große Umwege und Verzögerungen in Kauf nehmen muss, bloß damit sich die feinen Damen und Herren exquisit und ungestört amüsieren können?
Ich gehörte schließlich zu den armen Seelen, die pünktlich zu Beginn der Absperrungen heute genau an den betreffenden Ort durchqueren mussten. Ich nutzte die Gelegenheit und machte ein paar Fotos mit meiner schlechten Handy-Kamera. Ich hätte auch noch mehr gemacht, doch dann verscheuchte mich die Staatsgewalt. Dabei bin ich doch anständig. Oder so.






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