Konzert: Gorgoroths Überreste im Planet Music

Black Metal Konzerte unterscheiden sich in einigen Dingen von gewöhnlichen Konzerten in einigen Punkten. Zum Beispiel beim Publikum, nicht nur ob des obligatorischen Dresscodes komplett in schwarz zu erscheinen (die einzigen zwei Kollegen, die nicht schwarz trugen, war der Headbanger mit zugehöriger Mähne vor mir und ausgerechnet der Gitarrist der Vorband “Tyrant”), nein auch in anderen Punkten.

Ein ganz gewöhnlicher Abend mit Black Metal

Auf jedem Konzert gibt es sie, die Damen und Herren, die mit T-Shirts von Bands erscheinen, die gar nicht auf dem betreffenden Konzert spielen, auf Black Metal Konzerten sind die aber besonders häufig anzutreffen. Neben einigen geschmacklichen Verfehlungen (Tool, Ministry - doch, das ist schon eine Leistung) fällt aber vor allem eine Gruppe auf: die zahlreichen Endstille/Nargaroth Träger und, wie könnte es anders sein, die Burzum Leute.

Aber nicht nur im Publikum, nein auch bei den auftretenden Bands unterscheiden sich Schwarzmetallkonzerte von den anderen. Auf meiner (vor längerer Zeit) gekauften Eintrittskarte steht zum Beispiel “Gorgoroth, Enthroned, Nox”, gesehen habe ich aber ganz was anderes. Von Nox war schon seit Wochen keine Rede mehr und Enthroned sprangen ebenfalls kurzfristig ab. Einzig der Headliner blieb dem Lineup enthalten. Fast zumindest. So ist das mit den Schwarzmetallkapellen, Kontinuität war noch nie deren Stärke.

Der Abend begann mit den Kollegen von Stormnatt. Sagte mir bis zum gestrigen Abend nichts und dabei kann man das auch belassen. Ok, die Bewertung steht mir gar nicht zu, da ich standesgemäß viel zu spät im “Planet Music” eintraf und so grade noch ein paar Takte mitgekriegt habe. Was ich sah und hörte reichte mir aber auch: Gitarrist und Bassist in Mönchskutte und dazu alles andere als neue Klänge. Viel mehr eine der vielen, vielen BM-Bands, der dritten vierten fünften oder was weiß ich in welcher Welle wir gerade angekommen sind, die böse klingen aber absolut nichts neues bieten, was es nicht schon dutzendfach woanders besser gibt. Den Herren (aus Wien) sah man schwer an, dass sie kurzfristig rekrutiert wurden um für die ausgefallene Vorvorgruppe zu ersetzen.

Danach folgte erst einmal gar nichts. Wirklich. Ich bin ja schon einiges an demonstrativ langen Umbaupausen vor dem Headliner gewohnt. Nur folgte als nächstes nicht der Headliner und umgebaut hat man die meiste Zeit, die ich wartete auch nicht. Stattdessen bedudelte man mich mit schlechtem 80er Jahre Thrash Metal. Ich zog es also vor einen Rundgang durch die Halle zu machen. Wer das Planet Music kennt weiß, dass die nicht besonders groß ist, überfüllt war der Laden auch nicht, so kam ich ziemlich schnell voran. Ich staunte trotzdem nicht schlecht, als Gaahl (Frontmann und Sänger von Gorgoroth) seelenruhig im sogenannten “Clubbereich” stand, von ein paar Leuten umzingelt und sich bereitwillig für Fotos und händeschütteln zur Verfügung stellte. Sollen die Leute ihre Freude daran haben, ich jedenfalls lies ihn in Ruhe.

Der Auftritt von Tyrant kann man auch recht schnell abhandeln. Auf der Bühne erwarte ich ja durchaus eine Show. Ok, es muss nicht immer gleich Rammstein-Maßstäbe annehmen, aber doch, ein bisschen Effekthascherei gehört dazu finde ich. Von einer (halb-) professionellen Band, sogar wenn sie schlechten Black Metal spielt, der viel eher mit “Motörhead mit erweiterten Einflüssen aus der BM-Schiene” beschrieben werden könnte. Es tut mir leid, aber die Show zur Show, das ist definitiv nicht die Sache der Schweden. Vom mehr als plumpen Bühnenaufgang, bis zum lächerlichen “mit Bierdose in der Hand die rechte, ja die rechte, Hand heben” tat sich genau gar nichts und wie erstarrte Salzsäulen stand man sonst auf der Bühne. Nachdem der Sänger ungefähr zum fünfzehnten Mal seine Hand zum Biergruß hob und die Gitarristen in den Pausen zwischen den Stücken kräftig nachzogen, fand ich das nicht mehr nur ermüdend sondern auch unpassend. Das bringt mich jedoch direkt zum latent rechtsradikalen Flair, das die Kollegen umgab. Nicht, dass ich übersensibel darauf reagierte, ich kann durchaus damit leben, das die oben erwähnten Nargaroth/Endstille/Burzum Träger eben nicht alles Nazis sind und das nicht jeder der in Doc Martens rumläuft ein Nazi ist (ich bins ja schließlich auch nicht …), aber doch, der Eindruck konnte sich mir nicht entwehren. Musikalisch klangen die Schweden wie gesagt nach irgendwas zwischen Motörhead und Bathory, aber selbst diese Mischung bringt man im Nachbarland Norwegen besser hin. Bei I klingt das viel hübscher.

Danach endlich der Grund für mein investiertes Geld: Gorgoroth. Aber auch bei Gorgoroth hat man so seine Probleme gerade. Kontinuität ist wie gesagt die Sache der Schwarzmetaller nicht und all die gottesverachtenden Nihilisten und Misanthropen sind im Umgang auch keine leichten Zeitgenossen. Entsprechend häufig wechselt das Lineup einer jeden BM-Band. Gorgoroth ist davon nicht ausgenommen und gerade ist es mal wieder soweit. Die aktuelle Europa Tour der Norweger ist nicht frei von Problemen und stand sogar schon auf der Kippe, denn Sänger Gaahl und Bassist King überwarfen sich mit dem Gitarristen Infernus und warfen den kurzerhand aus der Band (entsprechende Statements finden sich in den News (Deutsch) der Gorgoroth Homepage).

Das kann man zwar machen, ist aber etwas problematisch, wenn man jemanden vor die Tür setzt, der die Band einst gründete und daher wohl auch über den Bandnamen verfügen kann. Gaahl und King traten erst viel später bei. Entsprechend groß ist die Zofferei zwischen den beiden Parteien daher wohl gerade. Kurzübersicht: Gaahl wirft Infernus mit der Begründung raus, er hätte den Moralcodex gebrochen und würde nichts zum kreativen Part der Band beitragen, Infernus nimmt das aber nicht etwa gelassen hin, sondern kloppt sich um die Namensrechte an der Band “Gorgoroth”. Gaahl nennt sich daher vorsichtshalber schon mal “The Force Gorgoroth” und tourt weiter, Infernus macht seine eigene Gorgoroth Homepage auf, die ehemalige offizielle Homepage “gorgoroth.org” verweist gegenwärtig auf die Kraft Gorgoroth von Gaahl. Am spannendsten fand ich, das muss ich an der Stelle sagen, allerdings nicht die Streiterei an sich, sondern vielmehr die Tatsache, wie schnell man neue T-Shirts für den Merchanidisestand gedruckt hat. Selbstverständlich sehen sie aus wie vorher, aber den dritten Kopf (Infernus) hat man auf dem Motiv mal eben wegretuschiert.

Gespielt wurde am Ende auch noch, zwar mit mehr Sessionmusikern als sonst, wenn auch nicht viel. Gleich zu Beginn setzte gleich die ganze PA aus, was zumindest die Gitarristen relativ locker nahmen und munter weiter darauf los zupften (E-Gitarren klingen ohne Verstärker nicht wirklich nach was, das sollte man den beiden Sessionmusikern mal stecken). Gaahl nahms sichtlich genervt und übte sich in “böse guckend in die Kameras der Zuseher schauen”. Voll geschminkt mit Corpse Paint (der Kollege im Publikum der ebenso rumrannte tat mir fast ein wenig leid, mit seinem lächerlichen Aussehen) stand man also auf der Bühne und wartete bis die hektisch herumirrenden Tonleute alles für repariert hielten.

So setzte man dann auch erneut an, nur um kurz darauf wieder mit einem Komplettausfall konfrontiert zu sein. Überhaupt war es nicht der Abend des Tonmeisters, das Setup gelang ihm kaum. Ja, selbst beim Black Metal gibts (sowas wie) Gesang und der war deutlich zu leise abgemischt. Offensichtlich war die zweite Gitarre an der Misere schuld, denn an der wurde in der Folge noch kräftig rumgeschraubt und am Ende gar ausgetauscht, nachdem die Gitarre mitsamt Musiker für ein zwei Stücke komplett von der Bühne verschwanden waren. Vermisst hat den Herren im Publikum offenbar niemand, wundert mich auch nicht sonderlich, denn eine Band, deren Schaffen aus dissonanten Kakophonien besteht, braucht an sich keine Rythmusgitarre. Stilecht verließen die norwegischen Kollegen dann nach knappen eineinhalb Stunden Spielzeit die Bühne - selbstverständlich ohne Zugabe - und der Abend war beendet.

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