Dinge, die die Welt bewegen
In unserer vernetzten, globalisierten Welt, ist es längst kein Problem mehr jederzeit an Informationen aller Art zu gelangen. Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet, über alle Medien gibt es ein breites Spektrum an Informationen. Nie war es leichter, all umfassend auf dem aktuellen Stand zu sein. Zumindest in der Theorie.
Erzähl mir mehr von Knut!
In der Praxis, informiert sich die freie Welt nämlich gerade über die Fortschritte von Eisbären Knut. So wissen wir, dass Knut Übergewicht hat und seine offizielle Biografie ganz, ganz toll findet. Nicht weniger als 1427 Artikel findet “Big-Evil-G” über unseren allerliebsten Eisbären, gerade so, als ob es sonst nichts wichtigeres gäbe. Tut es vermutlich auch nicht, für die überwältigende, verblödende Mehrheit unserer allerliebsten Mitbürger.
Alles, was unsere Gesellschaft interessiert, ist scheinbar Knut und wer wen heiratet, liebt, fickt und sich scheiden lässt. Deprimierend. Insbesondere, wenn gleichzeitig wirklich wichtige Dinge beinahe untergehen und nur peripher in zweit- und drittklassigen Medien erwähnt werden. Das da zum Beispiel. Oder das selbe noch einmal internationalisiert. Zusammen kommt man nicht annähernd an die erdrückende Medienpräsenz von Knut und den Popsternchnen. Dabei sind das Dinge, die alle interessieren sollten - ja, alle.
Vor über einem Jahr hat das EU-Parlament in einem kühnen Vorstoß nämlich über die sogenannte “Vorratsdatenspeicherung” bzw. “Data Retention”-Richtlinie entschieden. Kurz gesagt geht es dabei darum, dass flächendeckend und präventiv Telekommunikationsdaten Teilnehmern zugeordnet und gespeichert werden können. Nicht weniger als 500 Millionen EU-Bürger sind davon betroffen. Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung, so hieß es damals, sollten die nationalen Gesetzgeber erwähnte Richtlinie bis 15. September dieses Jahres umsetzen um schwere Straftaten besser aufklären zu können.
So werden nun europaweit allerlei lustige Verbindungsdaten protokolliert: Omas Telefongespräche genauso wie des Sohnemanns Internetkommunikation (E-Mail, VoIP, Verbindungsdaten wie IP-Adressen). Sekündlich protokolliert und lückenlos dokumentiert. Europaweit. Details weiß wie immer Wikipedia. Das ist alles schon entschieden und die EU-Mitgliedsstaaten müssen die Richtlinie nur noch umsetzen, bis September dieses Jahres wie gesagt. Spannend bleibt allein die Frage, wie der nationale Gesetzgeber “schwere Straftaten” definiert.
Besonders ernst nahmen die Richtlinie, die Kollegen aus Deutschland. Dort gelang die Umsetzung besonders akribisch genau. Wie man das eben von Schäuble und Vorgänger Otto Schily gewohnt ist. Kein Wunder, dass sich da so mancher Internet-Anonymisierungsdienst-Betreiber-Terrorist jetzt schon zur Aufgabe gezwungen sieht.
Von “schweren Straftaten” blieb in Deutschland übrigens auch nicht viel übrig, zu deren Aufklärung auf die Daten zurückgegriffen werden darf. Dort reicht schon eine einfache Urheberrechtsverletzung, damit der Staat völlig legitim auf diese sensiblen Daten zugreifen darf. Bei den Ösis ist der Gesetzesentwurf gerade in Arbeit, in Deutschland soll erwähnter Entwurf demnächst umgesetzt werden. Einzig Irland wehrt sich bislang dagegen.
Höchste Zeit zu handeln, der Überwachungsstaat rückt vor. Aber wir lesen wohl doch lieber weiter über Knut.
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Starkes Stück! das mit TOR. Allgemein isses arm wie sehr die Leute in Deutschland bzw. EU darüber wissen (wollen) und womöglich eben aus dieser Unwissenheit alles über sich ergehen lassen.
Bin gespannt wann alles was irgendwie verschlüsselt/anonymisiert abgeschaft bzw. verboten wird. Is nur eine Frage der Zeit.
Handeln? was soll den getan werden? die paar Hänschen wie du und ich die sich darüber Sorgen machen? http://www.turnofftheinternet.com
Spaß bei Seite. Ernst isses wie du sagst auf jedenfall!
Bei dem Weg… Sauber verfasst mal wieder ;)
helios - 31. Juli 2007 um 22:17
[…] von helios - Kategorie: web Nicht genug das man immer näher an den Überwachungsstaat herankommt ohne es zu merken. Nein nun kommt der Chip unter der Haut wieder einen Schritt näher. Wie Golem heute berichtet, werde in Zukunft die Centrino Technologie mit GPS ausgestattet sein. Der GPS-Chip Hersteller SiRF hat ein Kooperationsabkommen mit Intel geschlossen, das die gemeinsame Entwicklung künftiger Produkte vorsieht. GPS-Funktionen sollen damit in mobile Endgeräte für den Massenmarkt integriert werden. […]
Die totale Überwachung… - 1. August 2007 um 11:52
SAUBER. prozessor mit eindeutiger kennung und gps.. dann rfid unter die haut. eeend geil. kontoführung, einkaufen, das gesellschaftliche leben im generellen, ob post oder geburtstagserinnerungen alles über den chip. und wenn du unartig bist, ja, sagen wir mal, nicht alle 3km an einem kontrolpunkt vorbeigehst, wirst du für tot befunden und ganz legal dein chip abgestellt. und damit dein leben. ohne entsprechende kennung auf dem chip geht nämlich nicht mal mehr die mülltonne auf.
was tun?
http://www.vorratsdatenspeicherung.de
ben - 9. Oktober 2007 um 11:15
Schöner Blog, gefällt mir. Ich war so frech Dich in meine Blogroll aufzunehmen. Ich hoffe Du bist nicht sauer darüber. :)
tshalina - 12. Januar 2008 um 12:05