Der Spiegel der Gesellschaft
Irgendwann erreicht man ein Alter, in dem man denkt, die Art und Weise seiner Mitmenschen ein wenig verstanden zu haben und deren Handlungen im Prinzip nicht mehr überraschen können. Was war ich doch für ein naiver Tor, als ich zu dieser Überzeugung kam. Die Wahrheit ist: sie sind mir unverständlich und sie werden es auch immer bleiben.
Gestern war wieder einmal einer dieser prägenden Tage, die mich wieder einmal zu diesem Entschluss brachten, hier nachzulesen. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass der Homo Sapiens eigentlich nur ein Unfall sein kann, eine Irrlehre der Evolution gewissermaßen. Ich bin von meinen Pappenheimern dort ja nun schon einiges gewohnt und im Prinzip kam das, wie es eben kam, nicht überraschend. Aber doch, irgendwie drängen sich in mir schon einige Fragen auf.
Zwischen kompromissloser Geltungssucht und Idiotie
Es mag ja gerne sein, das ich charakterlich anders ausgestattet bin, als viele andere Zeitgenossen, aber was veranlasst denn den das gemeine Volk, ein kleines bisschen Beachtung witternd absolut jede Scham und Distanziertheit abzulegen und sich vor versammelter Menge komplett und vollends zum Idioten zu machen? Ich verstehe es einfach nicht.
Ist es wirklich nur die Geltungssucht, die uns derart kompromisslos unverständliche Vorstöße in das Spektrum der Lächerlichkeit machen lässt? Ich brauche bloß einen beliebigen Privatsender einzuschalten und sehe Menschen, die sich vor der Kamera zum Affen machen. Wieso tut man das? Oder eben die Erkenntnis gestern: wohl wissend, dass ich E-Mails, die mich erreichen veröffentlichen werde, fand sich eine dreistellige Anzahl an rückgradlosen einfältigen Zeitgenossen, die mir absoluten Blödsinn schrieben. Muss ich das verstehen? Ich unterstelle dem Menschen an sich eine verankerte Grundintelligenz, aber ich denke wir liegen damit, naiv wie wir eben sind, ebenso falsch. Der Mensch ist, angesichts dieser unverrückbaren Beweise schlicht nicht die Krone der Schöpfung.
Vielmehr ist er offenbar ein egozentrischer, geltungsbedürftiger Parasit. Nicht, dass mir das nun ganz neu wäre, im Gegenteil, aber ich entdecke täglich neue Beweise, die diese meine Theorie untermauern. Richtig schlimm daran ist, dass es ganz offensichtlich nicht einmal irgendwelcher unzüchtiger alkoholischer Dinge bedarf, die Menschen derart ausrasten lassen. Wie erwähnt, muss tief in uns allen schonungslos grenzenlose Naivität verankert sein, man lässt sich zu solchen Dingen hinreißen, ohne an die Zukunft oder gar irgendwelche Folgen zu denken.
Das lässt sich auch weiter fassen, im Prinzip machen wir, den Denkapparat ausschaltend, täglich Dinge, die wir im Prinzip nicht möchten. Bei den Dingen da oben, da verliert man nichts, außer Respekt und Achtung. Aber wie steht es um unsere Privatsphäre? Wieso tun wir Dinge, die eigentlich niemand will? Wieso antworten wir auf Telefonumfragen? Wieso protestieren wir nicht, wenn man uns filmt, fotografiert und beobachtet? Wieso mailt man mir etwa, mit echten Namen beispielsweise rechtlich bedenkliche Dinge? Ich unterstelle uns allen einfach eine ureigene unbedarfte Dummheit. Zusammen mit der gesellschaftlich ebenfalls weit verbreiteten Denkfaulheit eine hoch gefährliche Kombination.
Gemeinsam mit der gleichwohl tief verankerten Oberflächlichkeit, die uns beherrscht, eine unerträgliche Kombination. Ist es denn ein Wunder, wenn ich mir all diese Fragen stelle, betrachtet man unsere Spezies mit ein wenig distanzierter, rationaler Überlegung? Ich denke nicht.
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[…] …eine feine Textzeile aus "Wasted State of Mind" von den wunderbaren "And You Will Know Us by The Trail of Dead" gerade auf den Ohren und da ich mich hier gerade an eine gewisse Arbeitsteilung gewöhne, scheint es mir nur all zu natürlich, das ich der passenden Musik lausche, während man nebenan über eben diese Leute resümiert. […]
Ende Neu » Missis Notizblock - 21. Mai 2007 um 00:14
Wie immer nett geschrieben. Nur überrascht mich, dass dich das oben geschriebene überrascht hat. Womit hast du denn gerechnet? Das die liebe Boardgemeinde mal eben nur den Tetrishighscore knackt ohne ihren Unwillen über die Abschaltung kund zu tun? Die spammen wo sie können. Im Board und im Zweifel auch per Email.
tAXMAN - 22. Mai 2007 um 18:22
Dem Menschen hier allgemein Dummheit und Oberflaechlichkeit unterzuschieben kommt natuerlich gut. Das dies in dem Fall nur fuer gewisse Spaten beim gulli:board gelten ist das Eine… dass allein der Blickwinkel ein begrenzter, selektiver ist, das Andere und das diese Erkenntnis auch schon von tausendundeinem Philosophen (nein, bewusst keine weibliche Form :p) zerlegt und (nicht) erklaert wurde, sprichst Du nicht einmal an, sondern stellst dies einfach mal so als “Deine” Theorie dar (oh Du egozentrischer, geltungssuechtiger Parasit).
Ganz ehrlich… wenn Dich solche Fragen wirklich bewegen, studier Soziologie, Philosophie oder irgendwas in der Richtung - und damit mein ich nich, dass Du auf die Uni musst/sollst.
Dann wirst Du merken, dass Du Dir das Denken vorerst sparen kannst, das Fragen gleich mit und ansonsten… bringt das Rumhirnen auch nichts. Ist wirklich aehnlich sinnvoll, wie Windows noch einmal zu erfinden.
Ein wenig Zweifel an Evolution und Fortschritt schaden jedenfalls nie. Hier jetzt wieder einmal den mahnenden Privacy-Zeigefinger auszupacken, macht hingegen muede.
madchiq - 23. Mai 2007 um 13:29
schade, schade…
warum hast du denn nicht dazu geschrieben, dass du selbst zu jenen egozentrischen, geltungsbedürftigen parasiten gehörst?
ist dir dein verhalten doch nicht etwa peinlich? oder wäre es zu dem oben geschriebenen nicht ganz passend und ein anderes thema, da bei dir noch arroganz und noch etliche andere solcher schönen eigenschaften dazu einhergehen?
tbk - 25. Mai 2007 um 23:48
Naja, da du ja anscheinend besser bist als der Großteil der Menschheit leg ich dir hier mal Nietzsche und seine Übermensch-Theorie nahe.
Klar hast du Recht, aber dich selbst als anders zu bezeichnen ist doch etwas arrogant.
Is nun mal so, wenn’s dir nicht passt ändere was oder heul dich bei deinem psychiater aus.
Archy - 9. Juni 2007 um 22:01
Nachdem mich nach TBK auch Archy falsch versteht, will ich betont wissen, dass ich mich keineswegs als was besseres betrachte. Das habe ich im übrigen auch nicht behauptet und schließe auch mich ein, wenn ich das grundsätzliche Wesen des Menschen an sich hinterfrage.
Ist es für euch Arroganz, wenn ich die Art des Menschen (und ich meine hier explizit nicht nur die selektierte Boardgruppe matschig) an sich hinterfrage - dann bin ich das meinetwegen. Ist es Geltungssucht, wenn ich das oberflächliche wie gleichsam naive Verhalten unserer Gesellschaft anprangere - dann bin ich meinetwegen auch das.
Ich denke allerdings womöglich ein bisschen mehr nach und hinterfrage die eine oder andere Aktion, bevor ich mich zum Affen mache, als andere Zeitgenossen - deswegen erlaube ich mir hier auch ein Urteil über andere.
Genauso wenig habe ich übrigens behauptet, dass all diese meine Erkenntnisse neu und von mir stammen oder bislang ungenannt waren. Was ich tat, ist schlicht die Niederschrift meiner Gedanken zum Thema. Dafür muss ich mich auch nicht näher mit Soziologie und den alt-etablierten Philosophen beschäftigen, wie mir Kollege matschig anrät.
Wer mir hingegen unterstellt nie von Nietzsches Übermenschen gehört zu haben, der beleidigt mich. Nicht, dass ich Nietzsche an sich so toll fände, allerdings.
Arno - 9. Juni 2007 um 22:36
Okay, aber du hast es nunmal so rübergebracht, auch wenn du’s wohl nicht so gemeint hast.
Viele Menschen glauben wohl, über andere ein Urteil fällen zu können, aber ich denke nicht, dass dies damit begründet werden kann, man denke selber mehr nach und hinterfrage mehr.
Woher soll man schließlich wissen, wieviel Gedanken sich andere Menschen machen? ch für mich hab die Erfahrung gemacht dass man andere und ihre Gedankengänge besser nicht unterschätzt.
Viele Leute denken weit mehr nach als man auf den ersten Blick vermutet.
Archy - 10. Juni 2007 um 12:16