Nichtkonzert: Sunn O)))
Fangen wir zunächst mit ein wenig etymologischen Grundlagen an. Für die nachfolgenden Ausführungen ist das vielleicht hilfreicher, als sonst. Da gibt es zunächst folgende Worte:
- Kon|zert, das: -[e]s, -e (ital.); eine Veranstaltung, auf der Künstler Musik spielen oder singen
- Mu|sik, die; -, -en (griech.) nur Sing.: Tonkunst; Komposition, Musikstück
- 4) Band [bæːnd], die; -, -s (engl.) Gruppe von Musikern, bes. Tanzkapelle, Jazz- und Rockband
Davon ausgehend, erwartet man vielleicht etwas anderes, wenn ich schreibe, ich war auf einem Konzert der Band Sunn O))) in der Wiener Arena. Heute sah ich nämlich ein Nichtkonzert von einer Nichtband die Nichtmusik spielte. Nun muss man wissen, Sunn spielen Drone Doom und das ist vermutlich das experimentellste Musikgenre innerhalb meines Spektrums. Nicht wenige halten diesen Musikstil noch nicht einmal für Musik und Nichtmusik spielend, kann man folglich auch kein Konzert geben. Insbesondere dann nicht, wenn es sich nicht um eine Band handelt, denn auf der Bühne sah ich heute als Vorband eine Person mit einem Mac, die ab und zu eine Taste drückte - und eben Sunn O))) - ausschließlich zwei Gitarristen (und keinerlei künstliche oder gespeicherte Samples).
Das klingt schon experimentell und so hört sich das auch an - eben so wie es klingt, wenn man eine große Wand von Gitarrenverstärkern auf die Bühne stellt und diese mit übersteuerten, verzerrten Gitarren mit extremen Nachhall anschlägt. Und zwar in einem Tempo, von ungefähr drei Anschläge pro Minute, sodass Songstrukturen, Takte, Rhythmen schwer bis gar nicht erkennbar sind und eigentlich nur die gewaltige Kraft von jedem einzelnen Anschlag in Mark und Bein übergeht und jeder Nachhall der Tiefpässe in den Körper übergeht - mit 130 dB versprach man. Direkt am Eingang legte man dem unerschrockenen Besucher in der Tat auch ernsthaft und nachhaltig nahe Ohrenstöpsel zu benutzen. Ich war so frei, auf den Rat vorsorglich zu hören.
Damit wäre ich auch schon am Konzert angelangt, das eigentlich keines war, schließlich spielte ja eine Nichtband Nichtmusik und lieferte einen Nichtauftritt ab. Ein Nichtauftritt ist ein Auftritt auf einer Bühne, der eigentlich keiner ist, denn gesehen habe ich kaum bis gar nichts. Man legte nämlich wert darauf, das gesamte Nichtkonzert über in schwach hintergrundbelichteter Bühne zu gestikulieren und vor allem die komplette Halle (!) von der Bühne bis zur letzten Reihe völlig einzunebeln. Mehr als gelegentliche Schablonen von dunklen, Roben tragenden Schatten im dichten Nebel war nicht zu sehen. Unnötig zu erwähnen, dass es natürlich keinerlei Ansagen, Zugaben oder Reaktionen auf das Publikum gab. An der Stelle muss ich allerdings zugestehen, dass Atmosphäre und erzeugtes Ambiente perfekt zur Nichtmusik passen, die schweren trägen Bewegungen der beiden Nichtmusiker in ihren dunklen Roben vor nebligen Verstärkertürmen schlossen sich nahtlos zur Musik an.
Zu meiner Überraschung, spielten Sunn übrigens tatsächlich in der großen Halle der Arena und ich war noch überraschter, die Halle war tatsächlich sehr gut gefüllt. Das hätte ich wirklich nicht erwartet, nachdem man etwa Cult of Luna (die haben immerhin richtige Songs!!!!einseinself) in der Scheune nebenan unterbrachte und selbst diese nicht ausverkauft war. Ich hatte allerdings den leisen Verdacht, dass man einigermaßen besorgt um die Qualität des Sounds durch die PA in den kleinen Hallen war, da durch die oben genannte Ausreizung der Möglichkeiten, doch einigermaßen hohe Anforderungen an diese gestellt werden und das Konzert tatsächlich erst nachträglich in die große Halle verlegt wurde.
Die Setlist ist auch schnell genannt, denn die bestand ausschließlich aus den Grimmrobe Demos, die am Stück ohne Pausen heruntergespielt wurden. Das ist damit tatsächlich die reine Essenz des Sunn-O)))-Sounds ist, also nur Gitarren: keine Keyboards, kein Gesang und keine Schnörkel getreu dem Motto “maximum volume yields maximum results” (so die Empfehlung von der Homepage). Absolut richtig, so ein skurriles und sonderbares (Nicht-) Konzert habe ich noch nie miterlebt. Ja, das ist ein Lob.
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Die wohl genialste und komplizierteste Art Musik zu machen :D
Treten Sunn auch mal baldig in NRW auf? Freue mich schon auf die klangvollen Melodien!
Resonanz - 13. August 2009 um 21:31